Teure Skitouren auf der Wurzeralm

Während Skitourengehen früher eine Sportart der Minderheit war, steigt heute die Anzahl der sportbegeisterten Tourengeher ständig an. Vorausgesetzt man verfügt über die nötige körperliche Kondition, ist Skitourengehen äußerst gesund und beeinfl usst Körper und Geist positiv. Es handelt sich um eine anspruchsvolle Sportart – gerade beim Tourengehen ist es extrem wichtig, gut auf seinen Körper zu hören, um ihn nicht zu überlasten.

Manche Menschen meinen, erst etwas für den Körper getan zu haben, wenn Herz und Lunge im wahrsten Sinne des Wortes „aus dem letzten Loch pfeifen“. Sie übersehen, dass Körper und Kreislauf, aber auch die Psyche durch Überanstrengung und Übersäuerung nicht richtig trainiert, sondern geschädigt werden. Jede Belastung, sei sie seelisch oder körperlich, ruft eine Stressreaktion im Körper hervor. Zu schnelles Bergaufgehen über längere Zeit, insbesondere beim Skitourengehen, führt zu einer Aktivierung der Stresshormone im Körper. Die „guten“ Wachstumshormone des Körpers werden dabei zurückgedrängt, die „schlechten“ Wachstumshormone, die Blutzucker, Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Depressionen, Demenz und viele andere Krankheiten begünstigen, treten in den Vordergrund. Trainiert man im unteren Bereich, also in dem Bereich, in dem Sie mit Ihrem Trainingspartner noch angenehm reden können, passieren in Ihrem Körper wertvolle Dinge. Abgesehen davon, dass Herz/Kreislauf, Lunge, Muskulatur und Gefäße richtig trainiert werden, treten auch im Gehirn bei richtigem (niedrig dosiertem) Ausdauertraining gute Effekte auf: Das Langzeitgedächtnis, die Orientierungsfähigkeit, das Abspeichern von Bildern und die Gedächtnisleistung werden verbessert. Man war sehr lange der Meinung, dass Nervenzellen, die einmal gebildet sind, mit der Zeit absterben und keine neuen nachkommen. Doch das ist nicht so. Durch niedrig dosiertes Ausdauertraining kommt es zu Neubildungen von Nervenzellen sowie zu einer besseren Wendigkeit des Gehirns im Allgemeinen.

Viele wissen nicht, dass neben dem allgemeinen geistigen Leistungsvermögen auch die „soziale Intelligenz“ durch niedrig dosiertes Ausdauertraining verbessert wird: Mitgefühl, Taktgefühl, Kommunikationsfähigkeit, Menschlichkeit, Mitleid, Höfl ichkeit, Herzensbildung – all das, was wir im Umgang mit Menschen brauchen, können wir durch richtiges Training beeinfl ussen! Das betrifft unter anderem unser Glückempfi nden, die Art mit Menschen zu kommunizieren, selbstbewusstes Auftreten und vieles mehr. Nachdem gerade im Winter tagsüber die Möglichkeiten Sport zu betreiben begrenzt sind, vor allem durch die Berufstätigkeit, bleibt oft nur die Variante, sich am Abend körperlich zu betätigen. Während sich früher die Tourengeher irgendwelche Routen bergauf ausgesucht hatten, begann vor einigen Jahren eine gewisse Kanalisierung der Routen einzusetzen. Das Begehen der Skipisten am Tag und auch am Abend startete. Damit konnten viele gefährliche Momente wie Verschüttungen im freien Gelände und Verletzungen abgewendet werden. Es verfügen ja nicht alle Tourengeher über die notwendige Erfahrung mit Schnee und Lawinengefahr. Wege auf Hütten und das Begehen von Skipisten waren eine gefahrlose Alternative, die bis vor Kurzem kostenlos genützt werden konnte. Dann begann vor einigen Jahren die Wurzeralm in Oberösterreich erstmals eine Gebühr für das Skitourengehen einzuheben.

Fünf Euro für den erhöhten Aufwand eines Skigebietes zur Betreuung der Skitourenroute waren durchaus angemessen. Seit dem heurigen Winter kostet das Tourengehen auf der Wurzeralm 14 Euro am Tag und 10 Euro am Abend. Das ist einzigartig und hebt sich von allen anderen Skigebieten in der Umgebung deutlich ab. Es ist seltsam, dass sich gerade der Betrieb unseres höchsten österreichischen Sportfunktionärs mit dieser Maßnahme ganz offensichtlich gegen das Skitourengehen stemmt. Es zählt offensichtlich nur der Spitzensport bzw. das Pistenskifahren. Am Tag ist zwar eine Liftkarte inkludiert, dieses Angebot geht jedoch an einem Großteil der Tourengeher vorbei, weil es dem Tourengeher ja meist nur um die Bewegung bergauf geht. Nachdem Skitourengeher auch Skifahrer sind und Familie haben, glaube ich nicht, dass diese Maßnahme zum positiven Image der Wurzeralm beiträgt. Die umliegenden Skigebiete haben glücklicherweise bessere Wege gefunden, mit den Skitourengehern umzugehen. Am Galsterberg werden zumutbare 5 Euro pro Person und am Loser günstige 5 Euro für den Parkplatz eingehoben. Die Riesneralm beleuchtet den Weg zum Hochsitz jeden Freitag kostenfrei.

Im Bereich Schladming-Planai-Hochwurzen ist das Skitourengehen kostenlos, ebenso in Kaprun/Zell am See – ein Danke den Verantwortlichen für Ihr Entgegenkommen! Es ist schön, willkommen zu sein! Damit keine Unstimmigkeiten zwischen den Betreibern der Skigebiete und den Tourengehern entstehen, gilt es für die Tourengeher, sich an gewisse Regeln beim Begehen der Pisten zu halten. Die wichtigsten sind hier aufgelistet:

Warnhinweise sowie lokale Regelungen beachten. • Gesperrte Piste oder Pistenteile nicht begehen.

Nur am Pistenrand und hintereinander aufsteigen.

Die Piste nur an übersichtlichen Stellen und mit genügend Abstand zueinander queren.

Bis 22:30 Uhr bzw. zur vom Seilbahnunternehmen festgelegten Uhrzeit die Pisten verlassen.

Sichtbar machen, bei Dunkelheit oder schlechter Sicht Stirnlampe, refl ektierende Kleidung etc. verwenden.

Nur dafür vorgesehene bzw. gekennzeichnete Aufstiegsrouten/ Pisten benützen.

Hunde nicht auf Pisten mitnehmen.

Ausgewiesene Parkplätze benützen und allfällige Parkgebühren entrichten. Skitourengehen ist nicht nur eine Möglichkeit, Körper und Geist gesund zu halten, es trägt, wie jede Ausdauersportart zur Volksgesundheit insgesamt bei und die Kosten für Herz-Kreislaufund Blutzuckererkrankungen sowie Schlaganfälle und so weiter können damit gesenkt werden. Ausdauersport sollte immer unterstützt und nie beschnitten werden. Denn hier wird ein wertvoller Beitrag zum Volksvermögen in einer Zeit geleistet, in der Bewegungslosigkeit zum Volkssport wird.

MR Dr. med. Josef Rampler ist Bezirks- und Landesfeuerwehrarzt, Arzt für Allgemeinmedizin, Arbeitsmedizin, Sportmedizin und manuelle Medizin in der Bezirkshauptstadt Liezen.
E-Mail: ordination@rampler.at